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Erinnerungen an Molsberg

von Eduard Hieber

Die 80 hart die Schultern drücken,

des Lebens Höhen sind vorbei;

Krumm geworden ist der Rücken,

die Erinnerung schwelgt im Lebens-Mai.

Ich sah das Schloß im Sonnenschein,

umwehehet von Wald und Felsgestein,

der Sitz einstmals von mächtigen Gestalten,

mit hohen Würden und großen Gewalten.

Ich sah die dicken grauen Wände,

in denen ich die Welt erblickt,

der Mutterliebe zarte Hände,

mich oftmals an ihr Herz gedrückt.

Ich sah vom Haus die Lindenwiesen,

um die im Spiel wir oft gerannt,

ich spür den Duft den honigsüßen,

den jeder Frühling bracht ins Land.

Ich hör die hellen Kirchenglocken,

die alle riefen zum Altar,

besonders laut war ihr Frohlocken,

wenn Prozession an Pfingsten war.

Die Straßen, hoffen sind die gleichen

Und alles sieht wie einstmals aus.

Jedem möchte die Hand ich reichen,

weil ich mich fühle hier zu Haus.

Als Kind nur war ich hier im Leben,

mich sonnend stets in Kinderglück,

drum fleh ich, alt, im letzten Streben,

in die Erinnerung hinan zurück.

Eduard Hieber , geb in Molsberg am 28.9.1868 (1868-1948)

Aufgezeichnet von Hedwig Kremer, geb Schlag – Molsberg